

Es gibt diesen Moment.
Du willst Dein christliches Zeugnis schreiben.
Deine ganz persönliche Geschichte mit Gott fließt zu Papier.
Vielleicht nur ein paar Seiten.
Vielleicht ein Dokument.
Vielleicht einzelne Sätze, die schon lange in Dir lagen.
Am Anfang fließt es noch.
Du erzählst, was passiert ist.
Du erinnerst Dich.
Du findest Worte.
Und dann kommst Du an eine Stelle,
an der sich etwas verändert.
Der Text wird langsamer.
Du wirst langsamer.
Plötzlich geht es gar nicht mehr nur um das,
was damals passiert ist.
Sondern um das,
was es mit Dir gemacht hat.
Was Gott in Dir berührt hat.
Was Er aufgedeckt hat.
Was Er geheilt hat.
Was Er in Deinem Herzen verschoben hat.
Und genau da hören viele auf.
Weil sie an den Punkt kommen,
an dem ihr Zeugnis beginnt.
Und da wird's ernst.

Ich sehe immer wieder Postings auf Instagram und Co.,
in denen Menschen von ihrem Erleben mit Gott erzählen.
Manches ist beeindruckend.
Krasse Wendepunkte.
Starke Geschichten.
Sätze, bei denen man denkt: Wow.
Und trotzdem merke ich manchmal:
Es berührt mich kaum.
Ich lese es.
Ich verstehe es.
Ich kann nachvollziehen, dass es besonders war.
Und gehe weiter.
Lange habe ich mich gefragt, woran das liegt.
Heute glaube ich:
Oft wird genau das ausgelassen,
was ein Zeugnis wirklich trägt.
Es geht nie um das äußere Ereignis.
Es geht um den inneren Ort,
an dem Gott gewirkt hat.
Die Stelle, an der etwas zerbrochen ist.
Die Stelle, an der Wahrheit auf einmal weh tat.
Die Stelle, an der Vergebung möglich wurde.
Die Stelle, an der Du zum ersten Mal gesehen hast,
was Gott schon die ganze Zeit gesehen hat.
Die Stelle, an der Ausreden ihre Kraft verloren haben.
Die Stelle, an der Du aufgehört hast,
gegen Ihn anzukämpfen.
Vielleicht denkst Du beim Schreiben:
Das ist doch zu klein.
Das versteht doch keiner.
Das kann ich so nicht sagen.
Das gehört doch gar nicht in ein Buch.
Und während Du das denkst,
weichst Du vielleicht genau dem aus,
was Deine Leserin später brauchen würde.
Nämlich dem ehrlichen Moment,
in dem ein Mensch sieht:
Da war Gott.
Mitten im Ringen.
Mitten in den Fragen.
Mitten in dem,
was noch lange keine Lösung hatte.
Das ist das Schöne am Schreiben.
Und manchmal auch das,
was es so schwer macht.
Du gehst wieder hinein.
In die Zeit.
In die Fragen.
In die Tränen.
In die Gedanken, die damals niemand kannte.
Manches kommt mit einer Wucht zurück.
Du erinnerst Dich an Sätze.
An Blicke.
An Nächte.
An Gebete, die kaum mehr waren als ein inneres Flüstern.
Und während Du schreibst,
erkennst Du plötzlich mehr.
Es dreht sich nicht um das, was passiert ist.
Dreh- und Angelpunkt ist das, was Gott in diesem Geschehen getan hat.
In Dir.
Zu nah vielleicht.
Denn jetzt geht es auf einmal um Deine Wahrheit.
Um Deine Verfehlungen.
Um Deine Schuld.
Um Deine Blindheit.
Um Deine Menschenfurcht.
Um Deine Entscheidungen.
Um das, was Du vor Gott längst bekannt hast.
Aber jetzt steht die Frage im Raum:
Darf das sichtbar werden?
Darf jemand das lesen?
Darf meine Geschichte so ehrlich sein?
Und genau hier beginnt oft das Ausweichen.
Du erklärst mehr.
Du formulierst vorsichtiger.
Du lässt eine Stelle weg.
Du machst einen Satz schöner.
Du schreibst um das Eigentliche herum.
Und irgendwann ist der Text zwar lesbar.
Aber er trägt weniger.
Das passiert schnell.
Aus Angst, zu viel zu zeigen.
Aus Angst, missverstanden zu werden.
Aus Angst, jemand könnte anders über Dich denken.
Also bleibt die Geschichte an der Oberfläche.
Das Ereignis wird erzählt.
Die Wendung wird benannt.
Der Glaube wird erwähnt.
Aber das Herz bleibt geschützt.
Und genau dadurch kommt beim Lesen wenig an.
Denn Menschen werden selten durch perfekte Abläufe berührt.
Sie werden berührt, wenn Wahrheit spürbar wird.
Wenn sie merken:
Hier schreibt jemand, der wirklich dort war.
Hier schreibt jemand, der nicht nur erzählt, was Gott getan hat,
sondern was es gekostet hat, Ihm zu vertrauen.
Viele sagen:
Ich brauche erst Struktur.
Ja. Struktur ist wichtig.
Aber beim Zeugnis-Schreiben kommt Klarheit oft nicht vor dem Schreiben.
Sie wächst währenddessen.
Während Du gehst.
Während Du Dich erinnerst.
Während Du betest.
Während Du ehrlich bleibst.
Während Du an den Stellen weitergehst, an denen Du sonst aussteigen würdest.
Wenn Du zu früh alles ordnen willst,
bleibst Du schnell im Kopf.
Dann versteht man Deine Geschichte vielleicht.
Aber sie öffnet nichts.
Vielleicht ist auch das eine große Entlastung:
Ein Rohmanuskript ist kein fertiges Buch.
Es muss noch nicht schön sein.
Es muss noch nicht rund sein.
Es muss noch nicht wie Veröffentlichung klingen.
Ein Rohmanuskript ist der Ort,
an dem Deine Geschichte erst einmal ganz da sein darf.
Ehrlich.
Unsortiert.
Manchmal holprig.
Manchmal wunderschön.
Manchmal mitten hinein.
Später wird geordnet.
Später wird geschliffen.
Später wird gestaltet.
Aber zuerst muss die Wahrheit auf das Papier.
Weil Alltag dazwischenkommt.
Ja.
Weil Zeit fehlt.
Auch.
Aber oft ist es tiefer.
Du hörst auf,
weil Du innerlich an eine Schwelle kommst.
Eine Stelle, an der Du spürst:
Wenn ich weiterschreibe,
muss ich ehrlich werden.
Wenn ich weiterschreibe,
komme ich da wieder hin.
Wenn ich weiterschreibe,
kann ich nicht mehr so tun,
als wäre das alles nur eine Geschichte von damals.
Denn ein echtes Zeugnis holt Dich selbst noch einmal hinein.
Um sichtbar zu machen,
was Gott wirklich getan hat.
Es braucht einen Rahmen.
Einen Ort,
der Dich in Verbindung hält.
Mit Gott.
Mit Deiner Geschichte.
Mit den Stellen,
an denen Du am liebsten ausweichst.
Einen Ort,
der Dich weitergehen lässt,
wenn es nah wird.
Der Dich zurückführt,
wenn Du Dich im Kopf verlierst.
Der Dich erinnert,
warum Du überhaupt angefangen hast.
Du brauchst Impulse,
die Dich zurück zu Gott führen,
wenn Dein Verstand wieder alles kontrollieren möchte
Du brauchst Schreibaufgaben,
die Dich führen,
ohne Dich zu verbiegen.
Du brauchst Gebet.
Stille.
Wahrheit.
Und manchmal einen Impuls, der Dich liebevoll zurückholt:
Hier gehst Du gerade weg.
Bleib noch einen Moment.
Nicht an den Stellen,
die sich leicht erzählen lassen.
Dein Zeugnis entsteht dort,
wo Gottes Wirken sichtbar wird.
In Deiner Schwäche.
In Deiner Umkehr.
In Deinem Ringen.
In Deiner Heilung.
In dem, was Du selbst kaum in Worte fassen konntest.
Ein Zeugnis schreiben heißt:
Noch einmal mit Gott durch die Geschichte gehen.
Und aufzuschreiben,
was Er Dir darin zeigt.
Wenn Du spürst,
dass genau das dran ist,
dann brauchst Du keinen perfekten Plan.
Du brauchst einen Weg,
der Dich an den Stellen hält,
an denen Du sonst aussteigst.
Der Dich zurückführt,
wenn Du ausweichst.
Der Dich ermutigt weiterzugehen,
wenn es nah wird.
Und vielleicht stehst Du gerade an einem von zwei ganz unterschiedlichen Punkten.
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